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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit


Karussell im Kopf: Welcher Schwindel harmlos ist und wann Sie zum Arzt sollten

Wenn die Welt sich plötzlich um einen dreht und der Boden unter den Füßen schwankt, ist das ziemlich beängstigend. Doch meist ist so ein Schwindel harmlos und vergeht sekundenschnell. Dreht das Karussell im Kopf sich aber stundenlang oder jeden Tag aufs Neue, sind Spezialisten gefragt.

Kinder lieben es, sich so lang um die eigene Achse zu drehen, bis ihnen total schwindlig wird. Dann lassen sie sich ins Gras, den Schnee oder aufs Sofa plumpsen und warten kurz, bis der Drehwurm im Kopf vorbei ist. Und dann gibt es Erwachsene, die alles dafür tun, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Denn bei ihnen kommt der Schwindel anfallartig und hält stundenlang an.

Zwischen spaßhaftem Drehwurm und belastender Krankheit gibt es viele Formen von Schwindel. Mediziner unterscheiden in Dreh-, Schwank- und Liftschwindel. Liegt die Ursache im Innenohr oder an einem geschädigten Gleichgewichtsnerv ist von „peripherem Schwindel“ die Rede. Ist der Ursprung im Kopf, etwa durch schlechte Durchblutung, sprechen Ärzte von einem „zentralen Schwindel“.

Spannend, aber gerade keine Zeit?

Schwindelgefühle treten dann auf, wenn Auge, Ohr oder Sensoren in Gelenken und Muskeln widersprüchliche Informationen an das Gehirn senden. Das ist unangenehm und beeinträchtigt den Alltag, ist jedoch nur selten gefährlich. Das sind die häufigsten Ursachen für Schwindel – von harmlos bis behandlungsbedürftig.

Zu tief ins Glas geschaut

Wenn man zu viel Alkohol trinkt, scheint sich irgendwann alles um einen zu drehen. Das passiert meist, wenn man sich hinlegt und die Augen schließt. Die Verwirrung im Gleichgewichtsorgan hält nicht lang an. Langfristig schädigt übermäßiger Alkoholkonsum aber die Nerven, also auch den Gleichgewichtsnerv.

Ungewohnte oder falsch eingestellte Brille

Die Augen leisten einen wichtigen Beitrag zur Körperbalance, und zwar auch, wenn eine Fehlsichtigkeit vorliegt. Schwindel kann auftreten, wenn eine Brille die schlechten Augen korrigiert. Dann muss sich das Gehirn erst einmal an die veränderten Signale gewöhnen. Sind die Gläser nicht richtig eingestellt, können ein Benommenheitsschwindel mit Verschwommen- oder Doppeltsehen, Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl in den Augen auch länger anhalten.

Fortschreitendes Alter

Schon ab 20 Jahren lässt der Gleichgewichtssinn langsam nach. Daher werden ältere Menschen oft von diffusen Schwindelgefühlen geplagt. Bei den 80-Jährigen klagt jeder zweite über verunsichernden Schwindel. Neben altersbedingten Funktionsstörungen im Hörsystem stecken oft Durchblutungsstörungen im Gehirn dahinter.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für chronischen Schwindel. Dass so viele Senioren nur mit Rollator vor die Tür gehen, hängt auch damit zusammen. Durchblutungsfördernde Medikamente und gezielte Gleichgewichtsübungen verbessern die Situation.

Kreislaufschwäche durch niedrigen Blutdruck

Morgens schnell aus dem Bett gesprungen oder fix aus der Hocke aufgestanden – und für einen Moment wird einem schummrig und alles dreht sich. Meist ist ein niedriger Blutdruck schuld an dieser kurzen Unterversorgung im Gehirn.

Halswirbelsäulen-Syndrom

Menschen, die Probleme mit der Halswirbelsäule haben, spüren oft den sogenannten Schwankschwindel und einen unsicheren Gang. Schuld sind Verspannungen und möglicherweise eingeengte Nerven oder Blutgefäße. Auch Kopfschmerzen, Stress und Angst können diesen Schwindel auslösen.

Überzucker, Unterzucker

Übelkeit, Schwächegefühl und Benommenheitsschwindel zeigen bei Diabetikern eine Überzuckerung an. Auch bei Unterzucker gehören Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen zu den Warnsymptomen.

Nebenwirkung von Medikamenten

Schwindel kann auch eine Nebenwirkung mancher Medikamente sein – etwa, wenn sie den Blutdruck zu tief absacken lassen. Es gibt aber auch Medikamente, die direkt den Gleichgewichtsnerv schädigen können – dazu zählen bestimmte Antibiotika.

Migräne

Schwindel als Aura einer Migräne ist die häufigste Form von Schwindelanfällen im Kindesalter. Beim Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszenrum am Klinikum Großhadern der LMU München heißt es: Bei Kindern machen Migräne-assozierte Schwindelformen etwa 50% der Diagnosen aus.

Geschädigtes Innenohr

Wenn kleine Kalkkristalle an die falschen Stellen innerhalb des Gleichgewichtsorgans rutschen, können sie für heftige Schwindelattacken sorgen. Betroffene können dann zum Beispiel nicht ohne Schwindel auf einer Seite liegen. Dieser sogenannten Lagerungsschwindel lässt sich oft durch eine langsame Drehung des Kopfes oder eine ruckartige Gegenbewegung des Oberkörpers lösen, weil dadurch die Ohrsteine wieder ausbalanciert werden. Schwindelpatienten lernen die geeigneten Manöver bei Physiotherapeuten.

Morbus Menière

Einer von 1000 Schwindel-Patienten leiden an Morbus Menière, einer Störung des Gleichgewichtssinns. Vermutlich ist die Produktion der Innenohr-Flüssigkeit gestört. Die Betroffenen werden immer wieder von einem Drehschwindel überfallen, der stundenlang anhalten kann und sie handlungsunfähig macht. Denn jede Bewegung verstärkt das Schwindelgefühl.

Standard bei der Behandlung ist hochdosiertes Betahistin, das für bessere Durchblutung im Innenohr sorgen soll. Das ins Innenohr gespritzte Antibiotikum Gentamicin kann das gestörtes Gleichgewichtsorgan gleich ganz lahm legen und Schwindelanfälle verhindern.

Entzündeter Gleichgewichtsnerv

Ein entzündeter Gleichgewichtsnerv, medizinisch: Neuritis vestibularis, ist Auslöser eines bis zu zwei Wochen anhaltenden Drehschwindels mit Übelkeit und Erbrechen. Zur Entzündung kommt es vermutlich nach einer Infektion mit Herpes-Viren. Glucocorticoide wie Methylprednisolon bekämpfen die Entzündung und verbessern den Gleichgewichtssinn. Zusätzlich können Gleichgewichtsübungen die Schwindelbeschwerden reduzieren.

Source: Focus