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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit


Fieber ist ein Warnsignal des Körpers - ab welchem Wert Sie zum Arzt gehen sollten

Fieber ist bei Infektionen eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Aber es kann auch lebensgefährlich werden. Wie gesund Fieber ist, welche Ursachen es hat, was Sie bei Fieber mit Hausmitteln selbst tun können und wann der Arzt gefragt ist.

Steigt die Körpertemperatur auf über 37 Grad an, befürchten viele, dass sie Fieber haben deshalb krank sein müssen. Doch zwei Dinge in dieser Aussage stimmen nicht: Erstens bedeuten 37 Grad noch lange kein Fieber und zweitens ist Fieber keine eigenständige Krankheit.

Was ist Fieber und wie entsteht es?

Fieber ist eigentlich ein Symptom. Es zeigt an, dass die Immunabwehr aktiviert ist, weil der Körper auf Erreger oder Entzündung reagiert. Für diese Reaktion spielen Pyrogene eine wichtige Rolle. Das Wort stammt aus dem Griechischen, pyr für Feuer. Pyrogene sind Stoffe, die einerseits der Körper selbst bildet, andererseits aber auch von außen etwa als Partikelchen von Viren und Bakterien in den Organismus kommen.

Diese Botenstoffe gelangen ins Gehirn und zwar in den Hypotalamus, der für den Körper wie ein Thermostat oder Wärmeregulationszentrum arbeitet. Er hält unseren Organismus im Kern auf der „Betriebstemperatur“ von etwa 37 Grad, der idealen Wärme für alle Organe und ihre Funktionen sowie den gesamten Stoffwechsel.

Der Hypothalamus kann Überwärmung entgegensteuern, indem er Schwitzen und damit Kühlung auslöst. Ist im Gegenteil die Kerntemperatur zu gering, lässt er den Stoffwechsel hochfahren, womit sich die Körpertemperatur erhöht.

So gesund ist Fieber – es aktiviert die Immunabwehr

Die fieberauslösenden Pyrogene – von außen oder vom Immunsystem selbst gebildet – signalisieren dem Wärmeregulationszentrum ebenfalls: Temperatur erhöhen und zwar über den Normalwert hinaus. Denn das aktiviert den Stoffwechsel stark, der Körper bildet dadurch vermehrt Abwehrzellen. Die Krankheit, die das Fieber auslöst, kann also intensiv bekämpft werden.

Zusätzlich hat die Erhöhung der Körpertemperatur noch einen weiteren Effekt: Viele Bakterien und Viren vertragen die stärkere Wärme nicht, werden dadurch beschädigt oder vermehren sich langsamer.

Verläuft dieses Hochfahren des Stoffwechsels besonders schnell, erzeugt der Körper zusätzlich Wärme durch starkes Muskelzittern – den Schüttelfrost als Schnellmaßnahme.

Fieber, aber auch Schüttelfrost sind also sinnvolle Schutzreaktionen des Körpers. Sie sind keine eigenständige Krankheit, sondern Symptom dafür, dass der Körper gegen etwas kämpft.

Fieber – die häufigsten Ursachen

In den meisten Fällen sind die Auslöser von Fieber Viren und Bakterien mit den entsprechenden Entzündungen:
- Grippe (Influenzaviren), Erkältung (Rhinoviren), Covid 19
- Harnwegsinfekte oder Nierenbeckenentzündung
- Lungenentzündung
- Herzklappenentzündung
- Tuberkulose, Legionellose
- Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe oder Syphilis
- Tumore wie Hodgkin-Lymphom oder Non-Hodgkin-Lymphom
- Vaskulitis, also eine Entzündung der Blutgefäße
- Rheumatologische Erkrankungen
- Bauchspeicheldrüsenentzündungen
- Allergien
- Hitzschlag (hierbei handelt es sich jedoch strenggenommen nicht um Fieber als Abwehrreaktion, sondern Hitze hat die Temperaturregulation des Körpers überfordert, die dadurch nicht mehr funktioniert).

Fieber kann aber auch als Nebenwirkung auftreten, etwa von bestimmten Medikamente. Ein vorübergehend leichter Temperaturanstieg ist außerdem möglich durch eine Impfung, etwa die Pneumokokken-Impfung. Es handelt sich hier um eine Impfreaktion.

Fieber unbekannter Ursache – wenn der Auslöser nicht gefunden wird

Doch nicht in allen Fällen lässt sich die Ursache für den Temperaturanstieg identifizieren. Hält das unerklärliche Fieber länger als drei Wochen an oder kommt immer wieder, wird das als FUO, Fieber unbekannter Ursache (fever of unknown origin) bezeichnet.

Eine Methode, den Auslöser doch noch zu finden, ist die FDG-PET-Untersuchung (Fluordesoxyglucose-Positronen-Emissions-Tomografie). Sie gibt Hinweise auf vermehrten Glucose-Verbrauch in bestimmten Körperbereichen, was für Krebs, Entzündungen und Infektionsherde typisch sein kann.

Fieber richtig messen – Achsel, Mund, rektal

Wie lässt sich die Temperatur exakt messen? Nicht in jedem Bereich des Körpers gelten 37 Grad als normaler Durchschnitt, dieser Wert betrifft nur den Körperkern. Es kommt also auch darauf an, wo Sie messen: Eher ungenau ist die Achselmessung. Ähnliches gilt für die Mundmessung, also Messen unter der Zunge. Die gemessenen Werte liegen rund ein halbes Grad unter der tatsächlichen Körpertemperatur. Korrekte Ergebnisse liefert die rektale Messung.

Messen in Mund, Achsel und After lassen sich mit den gängigen elektronischen Kontakt-Thermometern (digitalen Thermometern) in wenigen Sekunden durchführen. Sorgfältiges Reinigen und desinfizieren der Thermometer vor und nach jeder Anwendung sind selbstverständlich.

Fieber kontaktlos messen mit Infrarot

Daneben gibt es auch neuere Methoden, Fieber zu messen. Infrarotstrahlen können etwa schon über Hautkontakt rasch die Temperatur messen. Beliebt sind etwa Ohr- oder Stirnthermometer, die einfach nur kurz ins Ohr oder an die Stirn gehalten werden. Sie sind sicher, schnell und der Betroffene muss nicht lange still halten – deshalb sind diese Geräte ideal speziell auch für Kinder.

Neue Techniken erlauben sogar eine berührungslose Messung. Spezielle Stirnthermometer erfassen über ihren Infrarotsensor mehrere Werte, darunter Umgebung und Hautabstrahlung und errechnen dadurch die Körpertemperatur. Allerdings sind geringfügige Abweichungen von der tatsächlichen Temperatur nicht auszuschließen.

Doch so einfach und schnell die neuen Methoden auch sein können: Am sichersten und exaktesten scheint immer noch die rektale Messung zu sein, wie Studien zeigen.

Normale Temperatur – diese Werte sind unauffällig

Dabei ist die Körpertemperatur, auch wenn kein Fieber vorliegt, nicht konstant und hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Tageszeit: Morgens beträgt sie eher 36 °C (Grad Celsius) und steigt im Laufe des Tages bis zum Abend ganz natürlich um etwa ein Grad.

Sport, Sauna, aber auch ein üppiges Mahl können den Körper außerdem aufheizen. Zusätzlich beeinflussen Hormone die Körpertemperatur. So steigt bei Frauen nach dem Eisprung, also ab der Mitte ihres Zyklus, die Körpertemperatur um etwa 0,5 °C an.

Normal sind also Werte um die 37 °C, wobei individuell manche Menschen eine etwas geringere Normaltemperatur haben. Schwankungen zwischen 36,5 °C und 37,4 °C sind normal.

Ab wann spricht man von Fieber?

Je nachdem, wie stark die Temperatur ansteigt, lässt sich Fieber in folgende Kategorien einteilen:
- 37,5°C - 38,0°C: Erhöhte Temperatur (subfebril)
- 38,1°C - 38,5°C: Leichtes Fieber (febril)
- 38,6°C - 39,0°C: Mäßiges Fieber
- 39,1°C - 39,9°C: Hohes Fieber
- 40,0°C - 42,0°C: Sehr hohes Fieber

Werte unter 35°C bedeuten Untertemperatur, was durch Unterkühlung eintreten kann. Fällt der Wert unter 30°C, kann das tödlich sein, denn das Herz schlägt dann immer langsamer.

Ab wann ist Fieber gefährlich, was passiert bei hohem Fieber?

In der Regel vertragen gesunde Erwachsene Fieber bis zu 40 Grad für ein paar Tage ohne Probleme. Voraussetzung: Sie geben ihrem Körper Ruhe und nehmen viel Flüssigkeit zu sich.

Denn so hohes Fieber ist Symptom für eine ernsthafte Erkrankung, die für sich schon den Körper belastet. Die hohen Temperaturen fordern zusätzlich Kraft vom Organismus. Es entsteht ein Flüssigkeitsmangel mit dem Risiko der Austrocknung, Kreislaufprobleme folgen und das Herz wird belastet. Auch das Risiko für eine Thrombose steigt.

Bereits ab 41,5°C besteht die Gefahr, dass Organe und Gewebe beeinträchtigt werden, auch das Gehirn. Verwirrtheit und Halluzinationen können deshalb bei hohem Fieber auftreten. Doch vor allem kann die Körperhitze Eiweiß zerstören. Fieber kann deshalb im Extremfall lebensgefährlich sein.

Für wen hohes besonders Fieber riskant ist – die Risikogruppen

Hohes Fieber belastet also Herz und Kreislauf. Was ansonsten gesunde Menschen problemlos wegstecken, kann für Babys, Senioren sowie Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich werden. Das sind etwa Herz- und Kreislaufprobleme, Nierenerkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und ähnliches.

Fieber – wann ist der Arzt gefragt?

Für diese Risikopatienten ist es deshalb bei Fieber wichtig, möglichst rasch Kontakt mit dem Arzt aufzunehmen, beziehungsweise dass bei einer Erkrankung des Babys die Eltern den Kinderarzt befragen.

Daneben gelten für jeden anderen folgende Faktoren als Hinweis, dass bei Fieber ärztlicher Rat nötig wird:
- Das Fieber steigt auf über 39°C
- Bei Werten ab 40°C ist sogar zeitnahe ärztliche Abklärung wichtig
- Fieber hält länger als zwei Tage an
- Fieber plus massive Krankheitszeichen
- Unerklärliches Fieber, also ohne etwa Schnupfen, Halsweh, Husten
- Wenn Fieber nach einer Tropenreise auftritt

Fieber – zusätzliche Anzeichen

Die deutliche Erhöhung der Körpertemperatur führt zu weiteren Symptomen. Um die Temperatur hochzufahren, vermindert der Körper nämlich die Wärmeabgabe über die Haut. Bei beginnendem Fieber wird die Haut deshalb oft kalt und blass. Mit steigendem Fieber beginnen die Augen zu glänzen, die Wangen röten sich. Die Aktivierung des Stoffwechsels geht mit der Beschleunigung der Atmung und des Herzschlags einher.

Sinkt das Fieber dann wieder, setzt starkes Schwitzen ein, dazu vermehrt auch Durst. Erschöpfung und Appetitlosigkeit können noch ein paar Tage bleiben, je nachdem, welche Krankheit das Fieber auslöste. Fieber verläuft insgesamt im Normalfall in vier Phasen:
1. Fieberanstieg
2. Fieberplateau
3. Fieberabfall
4. Regeneration

Typische Fieberkurven bei Grippe, Erkältung, bakteriellen Infektionen

Dieser Fieberverlauf ist etwa typisch für eine Erkältung. Das Fieber steigt langsam für ein paar Tage an. Morgens ist es, entsprechend der normalen Temperaturschwankungen des Körpers etwas niedriger, abends etwas höher. Nach ein paar Tagen ist das Fieber verschwunden und der Körper erholt sich wieder.

Doch es gibt daneben noch verschiedene weitere, typische Verlaufsformen von Fieber, die in Zusammenhang mit seiner Ursache stehen. Die wichtigsten:

- Kontinuierliches Fieber – abgesehen von den tageszeitlichen normalen Schwankungen liegt das Fieber zwischen 38 und 39 Grad. Ursache sind oft bakterielle Infektionen wie etwa eine Lungenentzündung oder Scharlach.
- Remittierendes Fieber – das Fieber schwankt zwischen morgens um abends um bis zu zwei Grad Celsius, etwa bei einer Virusgrippe.
- Intermittierendes Fieber – die Differenz zwischen morgens und abends beträgt mehr als zwei Grad, etwa bei einer Nierenbeckenentzündung, aber auch bei Tumorerkrankungen wie Morbus Hodgkin möglich.
- Rekurrierendes Fieber – das Fieber hält einige Tage an, verschwindet dann für bis zu zwei Wochen und kommt zurück wie bei Borreliose oder Malaria.

Was Sie selbst gegen Fieber tun können – Hausmittel bei Fieber

Das wichtigste bei Fieber: Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe, damit ihm alle Kraft für die Immunabwehr bleibt. Bleiben Sie also im Bett, oder zumindest auf der Couch, packen Sie sich warm ein, denn Schwitzen hilft dabei, das Fieber zu senken. Weitere Maßnahmen:

- Trinken Sie viel, etwa zimmerwarmes Mineralwasser und Kräutertee. Lindenblüten- und Ingwertee beispielsweise unterstützen das Schwitzen.
- Zwingen Sie sich nicht zum Essen. Bevorzugen Sie leichte Speisen, etwa Suppe, Obst, Joghurt und Quark. Schwere Speisen würde die Verdauung belasten und damit zu viel Kraft verbrauchen, die der Körper jetzt für die Abwehr benötigt.
- Wenn Sie viel schwitzen – wechseln Sie nassen Pyjama und Bettwäsche aus, denn das im Feuchten oder Nassen Liegen könnte zusätzlich eine Erkältung bringen.
- Lüften Sie gut, decken Sie sich dabei sorgfältig zu.
- Messen Sie morgens, mittags und abends Fieber, damit Sie erkennen, wenn es auffällig steigt und Sie den Arzt informieren sollten.

Das wirksamste Hausmittel bei Fieber sind Wadenwickel. Achtung: Bitte nur anwenden, wenn Sie nicht frösteln und die Füße warm sind! Sie können für die Wadenwickel lauwarmes Wasser (rund 18 bis 20 Grad) verwenden, aber auch Essigwasser (1 Teil Apfelessig auf vier Teile lauwarmes Wasser), was noch stärker kühlt. Und so geht’s:

Saubere Leinen- oder Baumwolltücher in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und um die Waden wickeln, mit Handtüchern abdecken, so dass das Bett nicht feucht wird. Rund zehn Minuten die Wickel wirken lassen, dann austauschen. Vorgang dreimal wiederholen.

Fieber mit Medikamenten senken

Bis zu einem gewissen Maß ist Fieber zwar gesund und eine wirksame Methode des Körpers, das Immunsystem besonders schlagkräftig zu machen. Doch vor allem, wenn Sie sich bereits sehr schlapp fühlen, der Kreislauf leidet, das Fieber schon bei 39°C liegt und vor allem wenn Sie Risikopatient sind, lässt sich das Fieber mit frei verkäuflichen Medikamenten senken.

Das sind etwa Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure. Meistens sinkt damit das Fieber rasch, das Wohlbefinden nimmt zu.

Falls diese fiebersenkenden Mittel jedoch auch am zweiten Tag nicht richtig wirken, sollten Sie einen Termin beim Arzt ausmachen. Denn es muss die Ursache des Fiebers gefunden werden, damit eine zielgerichtete Behandlung eingeleitet werden kann.

Source: Focus

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