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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit


Die Blutsauger sind wieder los - Rekordjahr für Zecken?

Das Bundesamt für Gesundheit verzeichnet doppelt so viele Zeckenbisse als vor einem Jahr. Aber warum sind Zecken gefährlich? Und welche Krankheiten können sie auslösen?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete bereits Ende April 2020 mehr als doppelt so viele Arztbesuche wegen Zeckenbissen als in den Jahren davor.

Der Zeckenexperte Werner Tischhauser, der an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) die Zecken-App entwickelt hat, schätzt, dass zwei Faktoren dafür verantwortlich sind: «Die Zecken waren wegen des warmen Frühlings früher aktiv, und die Leute gehen mehr raus.»

Das Coronavirus zwingt uns, mehr Ferien in der Schweiz zu machen. Manch einer entdeckt so die Schönheit der Schweiz wieder und verbringt seine Freizeit in der Natur der Alpen. «Das Bedürfnis nach Erholung ist wegen des Homeoffice höher» so der Experte.

Trotz all der Verlockungen, die die Schweizer Natur bietet, sollte man aufpassen, im Unterholz lauert Gefahr: Zecken.

Im ganzen Land verbreitet

Die Spinnentiere fühlen sich im ganzen Land wohl und sind besonders im Frühling und im Herbst aktiv. Meistens sind die kleinen Plagegeister rund um Wälder zu finden. Das heisst auf Waldlichtungen, an Waldrändern, Waldwegen aber auch Hecken von Laub- und Mischwäldern.

Ausserdem hocken sie in hohem Gras- oder Buschland, oft bis auf etwa 1,5 Metern und warten dort, bis ein Wirt an ihnen vorbeigeht. Das können Tiere oder eben Menschen sein. Die am häufigsten auftretende Zeckenart in der Schweiz heisst Holzbock (Ixodes ricinus) und gehört zu den Schildzecken.

Ernähren sich von Blut

Zecken sind fiese kleine Viecher. Was sie von uns wollen, ist unser Blut. Das brauchen sie, um sich entwickeln zu können. Dazu haben sie einen Rüssel, mit winzig kleinen Widerhäkchen versehen, der sich in unsere Haut bohrt. Das perfide: Beim Stechen sondern sie eine betäubende Substanz ab – so bleiben die Stiche häufig über mehrere Tage unentdeckt.

Zecken können aber auch Krankheitserreger übertragen. Die beiden wichtigsten sind dabei die Lyme-Borreliose und ein Virus, dass die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslöst.

Frühsommer-Meningoenzephalitis

Fast die ganze Schweiz, mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin, gilt als FSME-Risikogebiet. Zwar ist die Ansteckungsrate relativ gering, doch ist seit 2016 dem BAG zufolge ein Anstieg der Fälle zu beobachten. Das hängt vermutlich mit verschiedenen Faktoren zusammen: Einer könnte das Klima sein – wärmere Temperaturen könnten die Aktivitäten der Zecken und die der von ihnen transportierten Erreger begünstigen.

Bei den allermeisten gestochenen Personen verläuft die Infektion unbemerkt. Die wenigen die tatsächlich erkranken entwickeln nach einigen Tagen bis Wochen grippeähnliche Symptome. Und auch hier ist danach bei den meisten die Erkrankung beendet und sie sind vermutlich sogar ihr Leben lang immun danach.

Schwere Verläufe möglich

Bei 5 bis 15 Prozent jedoch kann es nach ein paar weiteren Tagen jedoch zu einer Hirnhautentzündung kommen. Im schlimmsten Fall greift diese auch auf das Gehirn über. Die Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisproblem usw. können noch Wochen und Monate nach der Infektion anhalten. Bei etwa einem Prozent verläuft diese zweite Phase der Krankheit sogar tödlich. Solche neurologischen Verläufe der FSME werden auch «schwere Verläufe» genannt.

Die gute Nachricht: Es existiert eine Impfung. Die Impfempfehlung des BAG gilt fast für die gesamte Schweiz, mit Ausnahme vom Kanton Genf und Tessin.

Lyme-Borreliose

Im Gegensatz zur FSME existiert für die Lyme-Borreliose keine Impfung, da ihr Auslöser Bakterien sind. Dafür kann sie in einem frühen Stadium gut mit Antibiotika behandelt werden.

Trotzdem darf die Krankheit keinesfalls unterschätzt werden. Wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird, kann sie bleibende Schäden wie Arthrose, Gewebeschwund der Haut und sogar eine Persönlichkeitsveränderung verursachen.

Zweites, gefährliches Krankheitsstadium

In etwa der Hälfte der Fälle bildet sich Tage bis Wochen nach der Infektion eine runde, vergrösserte Rötung um die Einstichstelle. Parallel dazu können grippeähnliche Symptome auftreten. Meist verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen bis Wochen wieder und auch der Ausschlag ist nach ein paar Monaten Geschichte.

Oft klingt dieses Krankheitsstadium ohne Behandlung ab. Das gefährliche ist aber, dass Organe befallen werden können, wenn keine Antibiotika eingesetzt werden. Betroffen sind im zweiten Stadium dann die Haut, das Nervensystem oder die Gelenke. In seltenen Fällen kann auch das Herz schaden nehmen.

Nicht zu unterschätzen

Die kleinen Plagegeister sind also nicht nur lästig, sondern potenziell gefährlich. Man kann sich aber dagegen schützen. Wer gerne oft in der Natur unterwegs ist, sollte sich gegen FSME impfen oder das «zumindest mit dem Arzt besprechen», so Experte Tischhauser. Aber auch die Wahl der Kleidung kann helfen, die Plagegeister von unserem Blut fern zu halten. Indem man geschlossene Kleidung trägt und die ganze Haut bedeckt, kommen sie nicht an unsere Haut heran.

Und: Es gibt Zeckenschutzmittel, mit denen man die Kleidung und die Haut behandeln kann. Sollte man trotz aller Vorsichtsmassnahmen gestochen worden sein, sollte die Zecke mit einer feinen Pinzette entfernt werden. Denn je länger sie saugt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie gefährliche Keime überträgt.

Auch wenn das Risiko sich anzustecken nicht gewaltig ist, gibt es doch auch tragische Verläufe. «Schwere Verläufe sind vermeidbar», erklärt der Experte «man sollte sich nach Outdooraktivitäten am Abend nach Zecken absuchen und wer gerne in die Natur geht sollte auch eine Impfung zumindest in Betracht ziehen.»

Die Zecken-App

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat eine App entwickelt, die zur Prävention von durch Zecken übertragenen Krankheiten dienen soll. Zum Einen gibt sie Auskunft über die aktuelle Gefahrenlage, zum Anderen verfügt sie über einen Informationsteil, der Auskunft darüber gibt, wie sich im Falle eines Stiches zu verhalten ist. Laden Sie hier die App runter

Source: Blick.ch

Source Image: Pixabay