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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit


Können Masken eine zweite Welle verhindern?

Im Kampf gegen das Coronavirus galten Masken zunächst nicht als besonders hilfreich. Inzwischen müssen sie an vielen Orten getragen werden. Eine Studie misst ihnen jetzt besondere Bedeutung zu.

Es ist ein leidiges Thema: Maske auf beim Einkaufen, Maske wieder runter, wenn man ins Freie kommt. Maske auf beim Betreten eines Restaurants, dann aber wieder runter, sobald man am Tisch sitzt. "Und das soll was bringen?", fragen sich viele.

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah das Tragen von einfachem Mund- und Nasenschutz in der Öffentlichkeit lange Zeit skeptisch. Sie hat ihre Haltung zwar kürzlich etwas geändert: Selbstgemachte Masken aus Stoff oder medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) seien durchaus empfehlenswert in öffentlichen Verkehrsmitteln, Läden und anderen Einrichtungen, wo ein Abstand von mindestens einem Meter nicht eingehalten werden könne, heißt es in den aktuellen Empfehlungen.

Die Organisation blieb aber bei der Einschätzung, dass solche Masken das Risiko einer Ansteckung auch erhöhen können. Etwa, wenn die Masken oft angefasst oder zeitweise nach unten ans Kinn und dann wieder über Mund und Nase gezogen würden. Außerdem könne ein falsches Sicherheitsgefühl die Träger veranlassen, weniger oft die Hände zu waschen oder weniger Abstand zu halten. Die Masken seien nur sinnvoll, wenn sie sachgemäß verwendet und alle anderen Vorgaben eingehalten würden.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) stand einer Maskenpflicht lange kritisch gegenüber - vermutlich auch, da es zu Beginn der Pandemie einen Mangel an Mund-Nasen-Schutz gab und das RKI dazu ermahnte, dass die verfügbaren Masken dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben sollten. Ende April entschieden sich schließlich die Bundesländer geschlossen dazu, eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit zu erlassen.

Der Sinneswandel der Institutionen dürfte nicht gerade für Vertrauen in die Mund-Nasen-Bedeckungen gesorgt haben. Zu Beginn der Pandemie war der Wissensstand bezüglich der Wirksamkeit von Schutzmasken zur Eindämmung von Covid-19 sehr dünn. Inzwischen gibt es jedoch einige Studien, die untersucht haben, ob Masken gegen die Verbreitung von Covid-19 wirklich nützen.

Studien belegen Wirksamkeit der Maskenpflicht

Eine Studie mit Hamstern zeigte etwa, dass das Infektionsrisiko durch Masken um rund 75 Prozent sinken könnte. In Jena, der ersten deutschen Stadt, die eine Maskenpflicht einführte, haben Forscher in einer vorveröffentlichten Studie herausgefunden, dass die Maskenpflicht tatsächlich eine Schutzwirkung gegen die Ausbreitung des Coronavirus hatte: Den Berechnungen zufolge waren die Covid-19-Fallzahlen in der Stadt durch die Maskenpflicht geringer, als sie es ohne gewesen wären.

Auch einige internationale Studien kommen zu dem Schluss, dass das Tragen von Masken einen positiven Effekt auf den Verlauf der Corona-Pandemie hat. Im Fachmagazin "Lancet" veröffentlichten kanadische Forscher etwa eine Studie, die dem optimalen Einsatz von Mund-Nasen-Schutz zuspricht, das Infektionsrisiko zu einem erheblichen Teil reduzieren zu können. Auch eine Studie aus China, die im "British Medical Journal" veröffentlicht wurde, belegt die Wirksamkeit des Maskeneinsatzes.

Britische Wissenschaftler sprechen Masken nun sogar noch eine bedeutendere Rolle im Kampf gegen Corona zu: Am Mittwoch veröffentlichten die Forscher der Universitäten Cambridge und Greenwich eine Modellstudie, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Reproduktionszahl dauerhaft unter eins gedrückt würde (also im Durchschnitt eine erkrankte Person weniger als eine andere anstecken würde), wenn die Allgemeinbevölkerung konsequent eine Maske tragen würde. Es könne sogar eine zweite Welle verhindert werden, heißt es in der Studie, wenn die Maskenpflicht mit weiteren Maßnahmen kombiniert werde.

"Unsere Untersuchung zeigt, dass es einen sofortigen und universellen Einsatz von Masken in der Allgemeinbevölkerung erfordert", sagte einer der Studienautoren, Richard Stutt, der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Kombination von Maskenpflicht, Social Distancing und anderen Maßnahmen sei ein akzeptabler Weg, die Pandemie zu kontrollieren und die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder anzukurbeln, bevor es eine Impfung gegen Covid-19 gebe.

"Diese Einschätzung teile ich grundsätzlich", sagt Peter Walger, Infektiologe und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). "Wenn man den Mund-Nasen-Schutz konsequent anwendet, dann können wir uns sehr effektiv gegen Sars-CoV-2 schützen." Die DGKH habe von Anfang an den Standpunkt vertreten, dass Masken nicht nur andere vor einer Infektion schützten, sondern auch den Träger selbst. Die Studien belegten die Schutzwirkung von Mund-Nasen-Bedeckungen nun ebenfalls.

Die Infektiologin Ellen Brooks Pollock von der Universität Bristol sieht die Studienergebnisse kritischer: "In einigen Situationen können Masken die Übertragung sicherlich reduzieren", sagte sie in einer Stellungnahme. Aber das treffe nicht auf die Situationen zu, in denen sich Sars-CoV-2 hauptsächlich verbreite: zu Hause oder bei engen sozialen Kontakten. "Die Studie geht optimistisch davon aus, dass 100 Prozent der Übertragungen durch das Tragen von Masken verhindert werden könnte", so Brooks Pollock. "Doch ein Drittel aller Kontakt-Stunden, in denen sich Menschen anstecken, finden zu Hause statt." Dort könne man kaum die ganze Zeit eine Maske tragen.

Auch Walger räumt ein, dass es nicht realistisch sei, einen Mund-Nasen-Schutz so einzusetzen, dass Infektionen ausgeschlossen werden können. "Wir können ja nicht alle den ganzen Tag eine Maske tragen", sagt er. "Wichtig ist, dass wir die Maske in den entscheidenden Situationen tragen, in Innenräumen, wenn Abstand nicht möglich ist und sich dort zu viele Menschen aufhalten".

Entscheidend sei, dass sich der Kenntnisstand über die Verbreitung von Sars-CoV-2 geändert habe. Man gehe nun nicht mehr von einer gleichmäßigen Verbreitung aus, sondern von sogenannten Superspreader-Events, also von Situationen, in denen einige wenige viele andere anstecken. "Und daran muss man auch die Maskenpflicht anpassen: Also an Situationen, wo mehrere Menschen zusammenkommen und ein Abstandhalten nicht unbedingt möglich ist oder sich niemand dran hält." Die Ereignisse der letzten Wochen hätten deutlich gemacht, wo die Hauptrisiken liegen: Menschenansammlungen in Innenräumen, wo sich die meisten nicht an die Hygieneregeln halten und insbesondere keine Masken tragen. An der frischen Luft, so Walger, sei das Infektionsrisiko dagegen so gering, dass das Tragen von Masken unnötig sei.

"Wichtig ist, dass sie richtig gehandhabt werden", so Walger. "Mund und Nase müssen bedeckt sein, die Stoffmasken sollten einmal pro Tag gewaschen und sonst luftig zum Trocknen aufgehängt werden." Auch die WHO empfiehlt, die Maske einmal am Tag bei mindestens 60 Grad oder in einer verdünnten Chlorlösung zu waschen. Sie sollten nur mit sauberen Händen und nur an den Halterungen angefasst werden. Selbstgenähte Masken sollten idealerweise aus kochfester Baumwolle bestehen.

Source: Spiegel

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