• +41 (0) 32 331 22 22
  • +41 (0) 79 681 84 75
  • info@domno-wabo.ch

Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit

news
(Copyright : /Photographee.eu, stockadobecom)

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit erhöhen Psychoserisiko

Bristol – Kinder und Jugendliche, die körperlichen und seelischen Misshandlungen, Mobbing, sexuellem Missbrauch, häuslicher Gewalt oder emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt waren, berichteten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.3155) häufiger über psychotische Symptome.

Psychosen werden nicht generell als die Folge von traumatisierenden Erlebnissen gedeutet. Körperliche und seelische Qualen können jedoch bei anfälligen Kindern und Jugendlichen eine psychotische Krise auslösen. Diese Beobachtung gründete sich bisher auf eine Reihe kleinerer Studien, die insgesamt kein umfassendes Bild ergaben.

Jazz Croft von der Bristol Medical School und Mitarbeiter haben den Zusammenhang jetzt an den Daten der ALSPAC-Kohorten untersucht, die eine größere Gruppe von Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mütter Anfang der 1990er-Jahre begleitet.

Eltern und Kinder wurden im Verlauf der Studie immer wieder interviewt. Die Fragen betrafen unter anderem Streitigkeiten unter den Eltern (häusliche Gewalt), die körperliche Züchtigung der Kinder (körperlicher Missbrauch), verletzende Äußerungen oder die Androhung von Gewalt (emotionaler Missbrauch), die fehlende Sorge der Eltern (emotionale Vernachlässigung), herabsetzende Äußerungen oder Angriffe in Schule oder Bekanntenkreis (Mobbing) oder auch sexuelle Übergriffe (sexueller Missbrauch).

2 Drittel aller Studienteilnehmer (64,5 %) waren in Kindheit und Jugend wenigstens einem dieser traumatisierenden Erlebnisse ausgesetzt.

Als die Kinder 12 und 18 Jahre alt waren, wurden sie mittels eines Fragebogens auf Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen hin untersucht. Etwa 5 % der Teilnehmer berichteten über ein psychotisches Ereignis. Die Analyse ergab, dass diese Kinder deutlich häufiger traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt waren als Kinder ohne psychotische Erlebnisse (83,8 versus 63,6 %). Croft ermittelte eine Odds Ratio von 3,13, die nach Berücksichtigung zahlreicher Begleitfaktoren leicht auf 2,91 abgeschwächt wurde, aber mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,15 bis 3,93 hoch signifikant blieb.

Sollte die Assoziation kausal sein, dann könnten nicht weniger als 45 % (25 bis 60 %) aller psychotischen Ereignisse auf traumatische Erlebnisse in Kindheit und Jugend zurückzuführen sein, wie die Berechnungen Crofts zum bevölkerungsbezogenen attributablen Risiko ergaben.

Für eine Kausalität spricht nicht nur, dass frühere Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen kamen. Croft fand auch eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Das Risiko auf ein psychotisches Ereignis stieg mit der Zahl der traumatisierenden Erlebnisse an. Es gab auch eine zeitliche Beziehung. Je kürzer die traumatisierenden Erlebnisse zurücklagen, desto stärker war die Assoziation mit einem psychotischen Ereignis. Hinzu kommt noch, dass die ALSPAC-Studie zu den international bestorganisierten Studien gehört. Eltern und Kinder wurden in kurzen Abständen zu einer Vielzahl von Lebensumständen und gesundheitlichen Problemen befragt. © rme/aerzteblatt.de

Source: Ärzteblatt