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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit


Morbus Parkinson: Ernährung könnte Verlauf (bei Männern) günstig beeinflussen

University Park/Pennsylvania – Kann eine gesunde Ernährung das Fortschreiten eines Morbus Parkinson verlangsamen? Darauf deuten die Ergebnisse der „Health Professionals Follow-up Study“ hin, in der Män­ner, deren Ernährung reich an Flavonoiden war, die Erkrankung länger überlebten.

Für Frauen in der „Nur­ses’ Health Study“ ließ sich laut der Publikation in Neurology (2022; DOI: 10.1212/WNL.0000000000013275) dagegen keine protektive Assoziation nachweisen.

Der Morbus Parkinson ist Folge eines fortschreitenden Untergangs von Nervenzellen. Die Erkrankung beginnt in der Substantia nigra, deren Störung die Leitsymptome Rigor, Ruhetremor und Bradykinesie erklärt. Später können auch andere Regionen betroffen sein.

Die Ursachen für den Zelluntergang sind nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass oxidativer Stress, Neuroinflammation und mitochondriale Dysfunktionen an der Pathogenese beteiligt sind. Ernährungs­wissenschaftler vermuten, dass Flavonoide diese Krankheitsprozesse günstig beeinflussen können.

Flavonoide haben in Pflanzen häufig eine Abwehrfunktion. Sie schützen beispielsweise Blüten und Früch­te vor den reaktiven Sauerstoffverbindungen, die durch die UV-Strahlung verursacht werden. Die antioxidative Wirkung könnte über die Nahrung auch auf den Menschen übertragen werden, so die Hoffnung der Ernährungsmediziner.

Bei Menschen mit Morbus Parkinson könnten Flavonoide auch die Zellen im Gehirn vor dem Untergang bewahren. Belegen ließe sich dies nur durch eine randomisierte Studie, die in Ernährungsfragen nur schwer zu organisieren ist. In dieser Situation können prospektive Beobachtungsstudien einen ersten Hinweis liefern. In den Studien wird untersucht, ob Menschen, die mit der Nahrung viele Flavonoide zu sich neh­men, seltener an der Erkrankung sterben.

Ein Team um den Ernährungswissenschaftler Xiang Gao von der Penn State University in University Park hat zu dieser Frage die „Health Professionals Follow-up Study“ und die „Nurses’ Health Study“ ausgewer­tet. Beide Studien haben eine größere Zahl von Erwachsenen über mehrere Jahrzehnte begleitet. Alle 4 Jahre wurden Ernährungsfragebogen ausgefüllt.

Die Epidemiologen haben jetzt die Ernährungsgewohnheiten von 1.251 Teilnehmern analysiert, die an einem Morbus Parkinson erkrankt waren. Die Ergebnisse wurden dann mit dem Sterberisiko in Beziehung gesetzt. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters sind inzwischen 944 oder 75 % der Teilnehmer gestor­ben, davon 513 Menschen am Morbus Parkinson, 112 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 69 an ver­schie­denen Krebsarten.

Die Analyse der Ernährungsgewohnheiten vor Diagnose der Erkrankung ergab, dass die Teilnehmer mit einer höheren Aufnahme von Flavonoiden am längsten lebten.

Die Unterschiede in den Ernährungsgewohnheiten waren groß. Das 1/4 mit dem höchsten Verzehr nahm im Durchschnitt 673 mg Flavonoide pro Tag zu sich. Im untersten 1/4 waren es nur 134 mg. Flavonoide sind vor allem in Obst und Beeren vorhanden. Erdbeeren enthalten 180 mg Flavonoide pro 100 Gramm, bei Äpfeln sind es etwa 113 mg.

Die Analyse ergab, dass die Parkinsonpatienten mit der höchsten Aufnahme an Flavonoiden das niedrig­ste Sterberisiko hatten. Eine Assoziation war allerdings nur bei den Männern der „Health Professionals Follow-up Study“ nachweisbar.

Gao ermittelt für das obere Quartil der Flavonoidaufnahme eine Hazard Ratio von 0,53, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,39 bis 0,71 signifikant war. Diese Gruppe hatte ein um 47 % niedrigeres Sterberisiko als das 1/4 mit dem niedrigsten Verzehr von Flavonoiden. Bei Frauen war bei einer Hazard Ratio von 0,93 (0,68-1,28) keine präventive Assoziation nachweisbar.

Die Forscher haben auch den Einfluss einzelner Flavonoide untersucht. Flavonoide sind eine heterogene Gruppe. Die beiden aromatischen Ringe, die durch einen Tetrahydropyranring verbunden sind, bieten zahlreiche Möglichkeiten für chemische Modifikationen, die die Farben der Früchte verändern. Anthocya­ne sorgen für eine intensive rote, violette oder blaue Färbung. Mit den Weintrauben gelangen sie unter anderem in hoher Konzentration in den Rotwein.

Ein hoher Konsum von Anthocyanen war in der Studie mit einer um 34 % niedrigeren Mortalität assozi­iert. Bei Flavonen, die hauptsächlich in Gewürzen und einigen gelben oder orangefarbenen Früchten und Gemüsen vorkommen, war das Sterberisiko um 22 % niedriger. Eine erhöhte Aufnahme von Flavan-3-olen, die unter anderem in Tee und Kakao vorkommen, war mit einem um 31 % niedrigeren Sterberisiko verbunden.

Auch nach der Diagnose des Morbus Parkinson war ein höherer Konsum von Flavonoiden insgesamt und einiger Unterklassen wie Flavonolen, Anthocyanen, Flavan-3-olen und Polymeren sowie von Beeren und Rotwein mit einem geringeren Sterblichkeitsrisiko verbunden.

Wie immer in Beobachtungsstudien lässt sich die protektive Wirkung nicht beweisen. Es ist möglich, dass Menschen, die sich gesund ernähren, auch in anderen Lebensbereichen Vorteile haben.

Source: Ärzteblatt

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