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(© /New Africa, stockadobecom)

ASS: Nutzen und Risiken in der Primärprävention von Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen vergleichbar

London – Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) kann gesunde Menschen zwar vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Die mit der Einnahme verbundenen Blutungsrisiken heben die Vorteile jedoch wieder auf, wie eine Metaanalyse im amerikanischen Ärzteblatt zeigt (JAMA 2019; 321: 277-287), die 3 im vergangenen Jahr veröffentlichte randomisierte klinische Studien berücksichtigt.

Die Herz-Kreislauf-Prävention mit ASS ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Die Hemmung der Thrombozytenaggregation kann zwar arterielle thrombotische Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko auf Blutungen, die im Gastrointestinaltrakt tödlich enden können.

Für Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten oder bei denen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht, in der Sekundärprävention also, fällt die Nutzen-Risiko-Bilanz positiv aus. Ein Einsatz gilt als evidenzbasiert. Anders ist dies bei der Primärprävention. Das Blutungsrisiko kann hier annähernd so hoch sein wie in der Sekundärprävention.

Da aber das Ausgangsrisiko auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall niedrig ist, ist die Nutzen-Risiko-Bilanz nicht eindeutig. Die European Society of Cardiology rät generell von einer Primärprävention ab, die US Preventive Services Task Force macht den Einsatz vom Alter und dem 10-Jahres-Risiko abhängig. Die unterschiedlichen Bewertungen stützen sich übrigens auf die gleichen randomisierten klinischen Studien, die mehrmals in Metaanalysen zusammengefasst wurden.

Im letzten Jahr wurden 3 neue Studien veröffentlicht. Die ASCEND-Studie („A Study of Cardiovascular Events in Diabetes“) hatte den Einsatz von ASS bei 15.480 Menschen mit Diabetes untersucht. An der ASPREE-Studie („Aspirin for Reducing Events in the Elderly“) hatten 19.114 ältere Menschen und an der ARRIVE-Studie („Aspirin to Reduce Risks of Initial Vascular Events“) 12.546 Menschen mit mehreren Risikofaktoren teilgenommen.

Dies bewog Sean Zheng vom King’s College Hospital in London und Mitarbeiter zu einer neuen Metaanalyse. Sie stützt sich auf 13 Studien, in denen zusammen 164.225 Personen im Mittel über 5,0 Jahre auf eine Behandlung mit ASS oder Placebo (9 Studien) oder keine Behandlung randomisiert wurden. Das Durchschnittsalter betrug 62 Jahre. Insgesamt 30.361 Teilnehmer (19 %) litten an Diabetes und das mittlere 10-Jahres-Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis lag bei 9,2 % (2,6 bis 15,9 %).

Die Ergebnisse lassen sich am besten durch die Gegenüberstellung der Number Needed to Treat (NNT, also der Zahl der behandelten Patienten auf die ein vermiedenes Ereignis kommt) und der Number Needed to Harm (NNH, also der Zahl der behandelten Patienten auf die eine zusätzliche Komplikation kommt) veranschaulichen.

Source: aerzteblatt